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Aktuelles - August 2010

„Ich mag meine Schwiegermutter“ – auch wenn sie manchmal nervt

FernUni-Psychologin Dr. Andrea Kettenbach: Schwiegertöchter sehen vier verschiedene Schwiegermutter-Typen

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Es gibt Schwiegermutter-Witze, jede Menge böse Klischees und sogar einen Kaktus mit dem klangvollen Namen „Schwiegermutterstuhl“. Schwiegermütter haben nicht gerade den besten Ruf, besonders das Verhältnis zu den Schwiegertöchtern gilt häufig als angespannt. Die Psychologin Dr. Andrea Kettenbach aus dem Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters der FernUniversität in Hagen ist dem Wahrheitsgehalt dieser Klischees auf den Grund gegangen. Und sie kam zu einem überraschenden Resultat.

Porträt von Dr. Andrea Kettenbach Dr. Andrea Kettenbach

„Schwiegermütter sind besser als ihr Ruf“, fasst Kettenbach ihre Ergebnisse zusammen. In ihrer Doktorarbeit mit dem Thema „Sind Schwiegermütter alle gleich? Empirische Untersuchung zur Repräsentation von Schwiegermüttern aus Perspektive der Schwiegertöchter“ hat sie eine Schwiegermutter-Typologie entwickelt.

Vier verschiedene Schwiegermutter-Typen

Aus Sicht der Schwiegertöchter gibt es vier verschiedene Schwiegermutter-Typen: Typ 1 ist die liebe Schwiegermutter. Sie ist so, wie man sie sich wünscht: fürsorglich und aufmerksam. Typ 2 ist das genaue Gegenteil: die böse Schwiegermutter, gemein, hinterhältig und einmischend. Die beiden „Zwischen-Typen“ 3 und 4 sind zum einen die nervige aber nützliche und zum anderen die defensive und desinteressierte Schwiegermutter.

Dass es aus Sicht der Schwiegertöchter vier verschiedenen Schwiegermutter-Typen gibt, hatte Andrea Kettenbach selbst überrascht: „Es war mir klar, dass es die ‚liebe’ und die ‚böse Schwiegermutter’ gibt. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es dazwischen noch zwei Typen gibt, die sich inhaltlich so klar abgrenzen lassen.“

„Den Typ 3 finde ich am interessantesten, weil das Konfliktpotenzial hier besonders groß ist“, bewertet die Psychologin ihre Ergebnisse. Die jungen Frauen sind zwar genervt, können sich aber nicht beschweren, da sie gleichzeitig sehen, dass ihre Schwiegermutter hilft und letztlich das Wohl der Familie im Blick hat. „Außerdem stört es die Schwiegertöchter, dass ihre Männer bei Konflikten nicht auf ihrer Seite stehen würden.“

Bei Typ 4 gibt es von Seiten der Schwiegermütter kein besonders Interesse an der Schwiegertochter oder den Enkeln. Das Verhältnis ist unterkühlt und oberflächlich. „Diese Konstellation bietet weniger Konfliktpotenzial. Die Schwiegertöchter sind lediglich enttäuscht, dass ihre Kinder keine richtige Oma haben“, erläutert Kettenbach.

Thema bislang kaum erforscht

Mit ihrer Schwiegermutter-Typologie hat die FernUni-Psychologin das Thema Schwiegermütter wohl erstmals aus psychologischer Sicht beleuchtet. „Das Thema betrifft ja wirklich fast jeden. Ich war vollkommen überrascht, dass es wissenschaftlich wenig erforscht wurde.“

Bevor Kettenbach mit der eigentlichen Befragung der Schwiegertöchter anfangen konnte, hatte sie zunächst 24 Frauen und 7 Männer zu ihren Schwiegermüttern befragt. Anhand dieser Aussagen konnte sie 54 sogenannte Q-Statements erstellen, die sie den eigentlichen Probandinnen, 34 verheirateten Müttern, vorlegte. Ziel war es, mit Hilfe der sogenannten Q-Methode zu erkennen, welche Frauen sich zu welchen Prototypen zusammenfassen lassen. Hierfür ließ sie die Schwiegertöchter die Q-Statements bewerten. Sie mussten beurteilen, in wie weit Aussagen auf ihre Schwiegermutter zutreffen: positive wie „sie ist liebevoll“, „sie ist respektvoll“ und negative wie „sie ist bevormundend“ und „sie ist hinterhältig“.

Im Anschluss daran führte die Psychologin Leitfadeninterviews mit den Probandinnen durch. Dabei wurden zum einen bestimmte Themenschwerpunkte wie typische Konfliktsituationen oder soziodemografische Daten abgefragt. Zum anderen sollten die Teilnehmerinnen aber auch die Beziehung zu ihrer Schwiegermutter mit Noten von eins bis sechs bewerten. „Durch die Q-Methode habe ich die vier Typen erarbeitet. Durch die Leitfadeninterviews konnte ich sie weiter anreichern, inhaltlich spezifizieren und sogar direkt überprüfen“, erläutert Kettenbach ihr Vorgehen.

Des Weiteren wurde die Typologisierung in einem empirischen Praktikum innerhalb des Psychologie-Bachelorstudiengangs an der FernUniversität noch weiter bestätigt: Die Studierenden benutzten Kettenbachs Q-Statements für eine Online-Befragungen, an der 422 Personen teilnahmen.

Kettenbach kann sich gut vorstellen, dass ihre Ergebnisse auch noch zu weiteren Forschungsarbeiten anregen: „Man könnte zum Beispiel auch noch die Schwiegertöchter oder die Männer typologisieren. Derzeit habe ich jedoch nichts Dergleichen geplant.“

„Das schlechte Bild ist ein Überbleibsel“

Mehrheitlich bekamen die Schwiegermütter gute Noten von ihren Schwiegertöchtern. Manche waren von ihnen sogar ganz begeistert. So wurde sogar von der Schwiegermutter als Freundin geschwärmt. Das Klischee der bösen Schwiegermutter scheint demnach überholt. Vor 100 bis 200 Jahren sah das jedoch noch ganz anders aus, weiß Kettenbach zu berichten: „Das schlechte Bild ist ein Überbleibsel aus dieser Zeit. Damals zogen die jungen Frauen häufig mit in das Haus des Mannes. Dort war die Schwiegermutter das Familienoberhaupt.“ Das brachte Konfliktpotenzial mit sich. Die beiden Frauen haben auf verschiedenen Ebenen miteinander konkurriert: Wer ist die bessere Hausfrau, wer ist die bessere Mutter und wer ist die attraktivere Frau. Heutzutage hilft in solchen Fällen häufig schon der räumliche Abstand zwischen den Familien.

Falls es mit der Schwiegermutter doch einmal zu Reibereien kommt, empfiehlt die FernUni-Psychologin ein klärendes Gespräch. „Häufig gab es Probleme, weil Erwartungen nicht klar kommuniziert und keine Grenzen definiert wurden. Vielleicht weiß die Schwiegermutter ja gar nicht, dass ihre gut gemeinten Tipps nicht auf Gegenliebe stoßen.“ Kettenbach selbst hat im Übrigen keine Probleme mit ihrer Schwiegermutter: „Natürlich gab es mal Höhen und Tiefen, aber insgesamt komme ich gut mit ihr aus.“

Carina Grewe | 26.08.2010
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